Sonntag, Oktober 12, 2008
In Hamburg sagt man Moin
Zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben - 2 Texte ein UrsprungDen hamburg off-kultur-orten fehlt Geld. Sie sollen es sich nun am liebsten
selbst aus den längst gut sichtbaren Rippen leiern. So schlimm kann das doch
nicht sein, reagieren manche da achselzuckend. Bislang ist noch keine
Ausstellung, kein Konzert ausgefallen, das kennen wir doch, das Genöle
dieser weltfremden Künstler.
Genau dort liegt das Problem. Es ist seit Jahren bekannt, insbesondere den
politisch Verantwortlichen. Doch das Elend wiederholt sich nicht nur mit
jedem neuen Off-Ort der dazu kommt und mit jeder neuen Antragsrunde. Es
verschlimmert sich weil die Szene seit Jahren substanziell unterfinanziert
sind. Politisch gewollt unterfinanziert. Es geht ja nicht um Investitionen,
üppige Reisekosten oder saftige Honorare. Es geht um die Substanz der
hamburger Off-Kultur. Diese Einsparzwänge gehen auch nicht nach jedem
irgendwie überstandenen Programm wieder auf null zurück. Sie summieren sich
und engen die künstlerischen Spielräume immer wieder immer weiter ein.
Weniger Ausstellungen, Konzerte, Aktionen ? Das würde Geld sparen, aber
Publikum verschrecken und den künstlerischen Abstieg bedeuten. Teurere
Eintritte? Weniger bis kein Publikum. Ein 1-a-Teufelskreis.
Im letzten Jahr haben die hamburger Off-Orte bei einem runden Tisch in der
Behörde die Kultursenatorin persönlich dringend um Lösungen gebeten.
In einer Stadt, die eine deutsche Kulturmetropole sein will und nun auch
noch weltweit wahrnehmbare Musikmetropole werden soll, steht die Politik vor
einem riesigen Dilemma. Wie soll eine Kultursenatorin, die hier ständig
alles "wunderbar" findet, bei Haushaltsverhandlungen die Kehrtwende
hinbekommen und überzeugend erklären, dass eben nicht alles wunderbar ist?
Wie macht man nach dem Planungsdesaster bei der Elbphilharmonie klar, dass
die Kultur-Baustelle nicht die einzige ist, auf der Löcher klaffen? Wurde
die Off-Szene zu Festivals wie "wir sind woanders " aufgefordert, weil man
sich so Stillhalten erkaufen wollte? Die Internetplatform " the thing
hamburg" bekam einen begrüssenswerte Förderung - aber nicht genug um
auch in 2009 weiterzuarbeiten.
Berechnung? Willkür? Überforderung? Nur eines ist klar: Kultursenatorin
Karin von Welck droht womöglich ein heißer Herbst.
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und
hier der Original-Artikel;
Von Joachim Mischke
Den drei Hamburger Staatstheatern fehlt Geld, mit dem sie Tarifsteigerungen
bei den Gehältern ausgleichen können. Die Bühnen sollen es sich nun am
liebsten selbst aus den längst gut sichtbaren Rippen leiern. So schlimm kann
das doch nicht sein, reagieren manche da achselzuckend. Bislang ist noch
keine Spielzeit ausgefallen, das kennen wir doch, das Genöle dieser
weltfremden Künstler.
Genau dort liegt das Problem. Es ist seit Jahren bekannt, insbesondere den
politisch Verantwortlichen. Doch das Elend wiederholt sich nicht nur mit
jedem neuen Tarifabschluss, der Mitarbeitern zusichert, was sie tagtäglich
hart erarbeiten. Es verschlimmert sich, weil Schauspielhaus, Thalia und
Staatsoper seit Jahren substanziell unterfinanziert sind. Politisch gewollt
unterfinanziert. Es geht ja nicht um Maßschuhe für Choristen oder saftige
Regiegagen. Es geht um die Substanz der Häuser. Diese Einsparzwänge gehen
auch nicht nach jeder irgendwie überstandenen Spielzeit wieder auf null
zurück. Sie summieren sich und engen die künstlerischen Spielräume immer
wieder immer weiter ein. Weniger Premieren oder weniger Service? Das würde
Geld sparen, aber Publikum verschrecken und den künstlerischen Abstieg
bedeuten. Teurere Karten? Weniger Publikum. Ein 1-a-Teufelskreis.
Im Frühjahr haben alle Hamburger Staatstheater-Intendanten und ihre
Geschäftsführer gemeinsam an die Kultursenatorin geschrieben und dringend um
Lösungen gebeten. Bis heute gab es keine Antwort. Das ist auch eine.
In einer Stadt, die eine deutsche Kulturmetropole sein will und nun auch
noch weltweit wahrnehmbare Musikmetropole werden soll, steht die Politik vor
einem riesigen Dilemma. Wie soll eine Kultursenatorin, die hier ständig
alles "wunderbar" findet, bei Haushaltsverhandlungen die Kehrtwende
hinbekommen und überzeugend erklären, dass eben nicht alles wunderbar ist?
Wie macht man nach dem Planungsdesaster bei der Elbphilharmonie klar, dass
diese Kultur-Baustelle nicht die einzige ist, auf der Löcher klaffen? Wurden
die Staatstheater bei der Verringerung ihrer Tarif-Lasten so ungleich
behandelt, weil man sich so Stillhalten erkaufen wollte? Friedrich Schirmer
bekam mehr als andere - aber nicht genug - fürs Haus zu seinem neuen
Schauspielhaus-Vertrag und kann sich deshalb weniger beschweren. Joachim
Lux' Wechsel aus dem Wiener Chefdramaturgendasein ans Thalia ist seine
Premiere in der Intendanten-Liga, da kann man noch nicht allzu hoch pokern.
Simone Young und John Neumeier können sich in der Oper unterdessen fragen,
ob sie bei ihren Langzeit-Engagements eher leeren Versprechungen aufgesessen
sind.
Berechnung? Willkür? Überforderung? Nur eines ist klar: Kultursenatorin
Karin von Welck droht womöglich ein heißer Herbst.
erschienen am 11. Oktober 2008
geschrieben von
subvision
( Allgemein, hafencity, kunst, off, subvision, art )
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